Mittwoch, 28. März 2012

Neues im Wunderland!


KAUFRAUSCH

Wenn man mit gebrochenem Bein zu Hause sitzt, dann kann man nichts Anderes tun, als weiteres Lesematerial zu kaufen. Denn schließlich neigt sich der Stoff ein wenig, wenn man täglich ein Buch liest. Wir lassen außer Acht, dass mein SuB trotzdem noch ein komplettes Zimmer füllt.

Neu im Regal: Astrid Lindgrens 'Die Brüder Löwenherz',besitze nur die schwedische Ausgabe. Jonathan Coe 'Die unglaubliche Einsamkeit des Maxwell Sim'. Hernán Rivera Letir 'Die Filmerzählerin'. Clare Sambrook "Der Freitag nach dem Freitag nach dem Sonntag". Anna Licht 'Blau ist grüner als gelb'. ♥


...und nebenbei: Noch 'Hitzewelle' - der passende Roman zu meiner Lieblingsserie Castle.

Donnerstag, 15. März 2012

Rezension: Karen Duves 'Dies ist kein Liebeslied'





Drogen, Depressionen und Desillusion auf der Waage.




Eine Frau im Schlankheitswahn: Karen Duve erzählt in ihrem Roman „Dies ist kein Liebeslied“ von einem Leben, dass sich nach der Zahl auf der Waage und nach der Anerkennung der Umwelt richtet. Eine Geschichte über eine Frau, die selbst Werther um seine Empfindsamkeit beneidet.

In seinem Leben ist jeder mindestens einmal unglücklich verliebt und leidet. Das gehört zur Jugend genauso dazu, wie auf Partys zu gehen, Freunde zu treffen und auf Klassenfahrten Flaschendrehen zu spielen. Es entsteht ein Wir und man gehört zusammen. Doch das ist nicht immer selbstverständlich.

Es geht um Anne, Anne Strelau. Sie ist dick, hässlich und hat keinen Funken Selbstbewusstsein. Ihre Familie ist zerrüttet, vom Vater nicht geliebt, von der Mutter zu sehr in Schutz genommen. Bis sie sieben Jahre alt ist, fühlt sich Anne wohl, ist sie selbst. Sie und ihr bester Freund führen im hauseigenen Garten eine Tierarztpraxis, zur Verarztung von Laubfröschen. Doch dann der Wendepunkt. Ihr bester Freund findet ihren Hintern dick. Plötzlich sieht sie es auch – ihre Klassenkameradinnen sind dünner. Schon mit zehn Jahren beginnt Duves Protagonistin mit ihrer ersten Diät, und ab da an geht es in ihrem Leben nur noch bergab. Anne definiert sich fortan ausschließlich durch ihren Körper und ihr Leben dreht sich nun um die magische Zahl 67, unter die sie
ihr Körpergewicht bringen will.

Erzählerisch beginnt Karen Duve im Flugzeug: Anne, erwachsen und 117 kg schwer, im Flugzeug. Sie ist eingezwängt in einen viel zu kleinen Sitz, für ihre viel zu voluminösen Oberschenkel. Sie ist auf dem Weg zu ihrer großen, unerwiderten, großen Liebe: Peter Hemstedt. Während des Fluges und ihrer panischen Angst vor dem Start, sowie der Landung reflektiert sie ihr Leben: Diäten, Pillen, Sex, Bulimie, Affären, Misserfolge, Unverständnis. „Wer glücklich ist, hat etwas zu verlieren“, sagte Anne Strelau immer wieder – es ist ihr Leitsatz, der sie durch ihr Leben führt. Passiv steht sie neben sich, wirft Pillen ein um schlank zu werden und verliert sich dabei immer mehr selbst. Sie baut keine normale Bindung zu ihren Eltern auf, hat keine relevanten Freunde. Beziehungen zu Männern äußern sich nicht durch Liebe, sondern nur durch Bestätigung ihrer selbst. Männer haben für sie den Zweck, ihr Selbstwertgefühl zu steigern, obwohl sie die Nähe nicht genießt. Anne begründet es so: „Trotzdem konnte ich nicht nein sagen, als er mich fragte, ob ich mit ihm gehen wolle. Drei Mädchen aus meiner Klasse waren in ihn verliebt.“ Das Gefühl der Anerkennung für einen Freund zählt, nicht das Gefühl mit ihm.

Die Hamburgerin Karen Duve setzte mit ihrem Erstlingswerk Regenroman und den Erzählungen Keine Ahnung hohe Maßstäbe. Gelobt wurde stets ihre Erzählkunst, die auch in verschiedenen Preisen, wie dem „Preis für junge Prosa“ und dem "Literaturförderpreis Hamburg“ ausgezeichnet wurden. Stilistisch gesehen ist der Roman geglückt. Karen Duve erzählt mit einer Leichtigkeit, dass die Seiten nur so vergehen. Man liest gern, honoriert ihre Wortgewandtheit und ein wenig wird die schwere Kost
der Frustration über Liebesgeschichten, Therapien und Demütigungen leichter. Ja, damit hätte es ein Buch werden können, das über ein Mädchen erzählt, das nicht zu dem Wir der Jugend gehört, das viel Leid erträgt und nicht in das eigene Leben passt. Es hätte sich eingliedern können in die Reihe Werke diese Art. Auch Benjamin von Stuckrad-Barres Soloalbum, als auch Christian Krachts Faserland spielen mit den unsympathischen, teils lethargischen Hauptpersonen, die neben ihrem Leben stehen. Sei es die Phase nach dem Verlassen, als der Road-Trip als Selbstfindungsversuch. Doch hier ist es anders: Anne ist anstrengend, ausnahmslos. Duve startet zwar mit viel Witz und den leichten Worten: „Mit sieben schwor ich, niemals zu lieben. Mit achtzehn tat ich es trotzdem.“ Das Schmunzeln ist auf ihrer Seite. Man versteht Anne, wenn sie ihre Erfahrungen aus der Schule reflektiert. Wer kennt es nicht? Die Angst vor dem Völkerball oder dem ersten Streit mit den Klassenkameradinnen. Doch:

Umso mehr Karen Duve erzählt, umso unerträglicher scheint Anne Strelau zu werden und umso schwerer wird das Lesen. Zunächst täuscht Anne noch Krankheiten vor, damit ihr die Schule erspart bleibt - da ist sie sieben. Mit dreizehn will sie keine Freunde haben, distanziert sich deutlich von allen Klassenkameraden und bleibt lieber auf dem Klo, anstatt mit den anderen auf dem Pausenhof zu spielen. Doch mit dem siebzehnten Lebensjahr steigert sich Annes Situation drastisch. Kein Selbstbewusstsein, stattdessen Selbstmitleid. Pillen zum Abnehmen, Sex mit wahllosen Jungs, feiern damit die Nacht vergeht. Das Lesen fällt schwerer, denn die Sympathie fällt fortan weg. Man steht nicht hinter der Figur, man versteht sie nicht. Denn: Anne Strelau will sterben, das steht fest – doch nicht weil sie sich hässlich fühlt, was sie zweifelslos ohne Pause anmerkt, sondern weil sie dadurch die Beachtung kriegen würde, die sie sich so sehr erwünscht. Es ist jedoch nie still in ihrem Leben gewesen, denn sie füllt ihr Leben mit einer Reihe von Jungs und Affären. Sie geht auf Partys, sie trifft andere Menschen, sie hat Freunde, die sie nicht als solches sieht. Doch sie ist nur dabei, nicht mitten drin. Immer öfter wiederholt sie ihren Sterbewunsch, meint es letztendlich doch nie so. Schlimmer wird es, wenn Anne über eine mögliche Krankheit – möglichst schwer natürlich– sinniert. Diese
könnte ihr Mitleid und falsche Freunde verschaffen. So viel Selbstzweifel und Selbstmitleid ist auf 280 Seiten kaum zu ertragen. So wünscht sie sich in einem kleinen Moment, in dem sie sich wohl fühlt einen Autounfall herbei: „Dann würde ich eine Querschnittslähmung bekommen, und es gäbe endlich einen vernünftigen Grund dafür, warum ich in vielen Dingen nicht so funktionierte wie normale Menschen, und meine Eltern würden voller Reue doch noch einen eigenen Hund schenken, und ich würde Jost und Peter Hemstedt Geld geben, damit sie mir die richtigen Schallplatten besorgten: den Gefallen würden sie einem armen Krüppel, wohl nicht abschlagen.“ Doch damit nicht genug, es ist Annes Hang zur Dramatisierung. Niemandem wird eine gleichwertige Chance zur Melancholie oder Traurigkeit eingeräumt, entweder sie beneidet die Kranken und Armen, oder sie pauschalisiert es. Selbst Goethes Werther kriegt sein Fett weg, immerhin sei er ein „zickiger, eingebildeter Sack“, denn er könnte schließlich mit seiner Empfindsamkeit mehr Gefühle haben, als sie. Das geht nicht im Leben der Anne Strelau.

Es scheint, als sei Duves Protagonistin nicht einen Moment frei von ihrem Kopf, von ihren Gedanken, ja, genau das ist ihr Problem. Doch genau das ist auch das Problem des Buches. Annes Leben, Karen Duves Geschichte, sie bleibt aussichtslos, erfolglos. Anne verändert sich nicht, sie kämpft nicht. Sie jammert, sie leidet. Sie sagt und denkt viel, aber handeln bleibt aus. Anne kriegt das Wir der Jugend nicht mit, und bleibt in ihrem Mikrokosmos. Bekannte werden keinen Freunde, sondern Randfiguren in ihrem Leben, in dem noch nicht mal ihre große Liebe Peter Platz finden kann. Die Gründe sind jedoch nicht das Aussehen, das Gewicht oder eine ihrer Affären, Anne ist sich selbst das Problem. Sie steht sich selbst in ihrem Weg. Ein gutes Werk braucht kein Happy End, um ein gutes Werk zu sein. Das Happy End gibt es auch hier nicht, es scheint jedoch nicht so, als würde es überhaupt ein End geben. Anne steht dort, wo sie auch mit vierzehn stand, mitten in ihrem Kopf, mit vielen Fragen und vielen Wünschen, weit weg vom Wir.

Donnerstag, 1. März 2012



the hiatus is over.


Nach einem Jahr wird hier verschoben, neu gebastelt und vor allen Dingen: Es wird wieder geschrieben! Mein Studium habe ich fast beendet und nun geht es in die Schlußphase. Da ich, wie immer, ein Workaholic bin / war, blieb vieles auf der Strecke, aber nun habe ich wieder ausreichend Zeit um mich dem Lesen, dem Leben und dem Schreiben zu widmen. 




.....Astrid.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Dienstag, 1. Februar 2011

Bücher Januar 2011

Bücher im Januar. ♥






  • Andrew Sean Greer - Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli
    Wundervolle und berührende Geschichte über einen Jungen, dessen Leben in dem Körper eines Greises beginnt, und der mit dem Alter immer mehr verjüngt. 4/5
  • Preston & Child - Fever
    Unfassbar gutes Buch, wie immer. Diesmal über die Vergangenheit von Pendergast. 5/5
  • David Safier - Jesus liebt mich
    Überbewertete Geschichte, wie Jesus auf Erden wandelt und sich in eine absolut chaotisch, ungläubige Frau verliebt. Humorlos und absolut abgehackt. Einzig und allein die Comicstrips haben das Lesen einfach und schön gemacht. 2/5
  • Preston & Child - Ice Ship
    Eines der ersten Werke, was ewig in meinem Regal stand. Nun ja, verwirrende Geschichte über einen Meteoriten, der geborgen werden soll. Das Ende war leider absolut verwirrend. Ungewohnte: 3/5
  • Paul Coelho - Veronika beschließt zu sterben
    Wundervolle Geschichte über ein Mädchen, dass durch einen gescheiterten Selbstmordversuch nur noch ein paar Tage zu leben hat, und diese plötzlich zu genießen beginnt. 4/5
  • Marie-Sabine Roger - Das Labyrinth der Wörter
    Das beste Buch der letzten Zeit. Wundervoll, einfach, liebevoll. Über eine alte Frau, die einen Mann in die Welt der Bücher einführt. 5/5